Sonntag, den 13. Februar 2011 um 17:47 Uhr

Der Mensch – Eine reparaturbedürftige Maschine.
Von Frank Hensler - In der heutigen Zeit herrscht eine ungeheure Geschwindigkeit, was den sogenannten Fortschritt unserer modernen Kultur anbelangt. Was heute noch hoch modern erscheint,befindet sich schon nach kurzer Zeit auf der Liste des Überholten. Schon dieses Phänomen könnte einem die Tatsache vermitteln, dass sich unser Hauptaugenmerk auf Dinge konzentriert, die der Vergänglichkeit unterliegen. Von dieser Begleiterscheinung ist die Vorgehensweise der Medizin natürlich keineswegs ausgeschlossen, da auch sie den verbissenen Kampf gegen das Leid und die Symptome des Menschen in Angriff genommen hat. Eigentlich ein hochlöbliches Ziel, sofern man den Menschen als ein reparaturbedürftiges Konstrukt betrachtet.
Auf dem Gebiet der Medizin herrscht eine enorme Begriffsverwirrung, was die Worte „Heilung und Reparatur“ anbelangt, was den Nährboden für das heranwachsen von Irrtümern mit sich bringt. Es sind nicht die einzelnen Vorgehensweisen der Medizin, die ich als Irrtum bezeichnen würde, sondern es ist die Unwissenheit über die menschliche Existenz, welche ich als Wurzel aller Irrtümer betrachte. Erhobenen Hauptes rühmen wir uns, dass wir die antiken Weltbilder mit deren mythologischen Scheinerklärungen überwunden haben, ohne zu bemerken, dass diese in vielerlei Hinsicht ein tieferes Verständnis der kosmischen Zusammenhänge besaßen. In der Antike hatte der Mensch noch ein Bewusstsein darüber, dass sein Leid in unmittelbarem Zusammenhang mit den Göttern stand. Eine solche Vorstellung würden wir heute natürlich schnell in die Schublade der Naivität stopfen, da wir der Meinung sind, das Leid würde ausschließlich in Bezug zu funktionalen Problemen des Körpers stehen. So haben wir die antike Betrachtung ein wenig voreilig über Bord geworfen und den gesamten Gottesaspekt gänzlich aus unserer Vorstellung verbannt.
Doch was könnte gemeint sein, wenn der Gottesaspekt in Verbindung mit dem Leiden des Menschen gebracht wird?
Im christlichen Mythos begegnen wir dieser Thematik in der Genesis, wo beschrieben wird, das der Mensch eine Sturzbewegung hinter sich hat, die ihm einerseits Erkenntnisfähigkeit ermöglicht, doch zugleich den Aufenthalt im paradiesischen Zustand verwehrt. Der paradiesische Zustand kann hier als Synonym für die Einheit verstanden werden. Will der Mensch aber erkennen, so ist es ein zwingender Schritt sich von der Einheit zu trennen und eine Gegenposition einzunehmen. Sündig sein, heisst in diesem Zusammenhang ab-ge-sondert sein. Abgesondert von der Einheit, abgesondert von Gott. Doch das Essen der verbotenen Frucht brachte nicht nur die Vertreibung, sondern auch das große Geschenk der Erkenntnisfähigkeit mit sich. Denn nur der irdische Zustand des „abgesondert-seins“, des „sündig-seins“, des „polar-seins“, ermöglicht das, was wir Unterscheidungsvermögen nennen. Hier ist die Geburtsstunde unserer Ich -Identifikation, aus welcher heraus wir nun Fähig sind, zwischen „ICH“ und „DU“, zwischen „INNEN“ und „AUSSEN“, zwischen „SUBJEKT “ und „OBJEKT“ unterscheiden zu können. Der Prozess der Absonderung ist eng mit dem Thema der Unvollkommenheit verknüpft, welche der Mensch nun über das Leid erfährt.
Die Bemühungen, das Leid in dieser Welt zu umgehen, zu verhindern oder zu bekämpfen ist Ausdruck der Unwissenheit um diese Zusammenhänge und Herbert Fritsche trifft es auf den Punkt, wenn er sagt:
„Leidvermeiderei, wie und wo sie sich auch immer offenbare, 
zeigt stets an, dass der, der sie betreibt, 
ein grundsätzlich Uneingeweihter ist.“
An diesem Punkt sollte auch deutlich werden, das hier die Wurzel des Un-heils, des Krank-seins, im tiefsten Sinne des Wortes liegt. Die Worte Heil-sein, Ganz-sein und Vollkommen-sein lassen keinen Raum für etwas fehlendes zu. Die fehlenden Aspekte des Menschen sind in seinem unbewussten Bereich des Schattens angesiedelt und bedürfen früher oder später der bewussten Hinwendung. Das Ärztetum in unserer Zeit redet zwar auch oft von Heilung, doch hierbei kann es sich nur um einen unbewussten Etikettenschwindel handeln. Denn Reparatur auf der körperlichen Ebene ist zwar berechtigt und macht den Menschen wieder Alltagstauglich, doch Reparatur und Heilung sollten niemals miteinander verwechselt werden. Heilung kann nicht ausschließlich über eine therapeutische Intervention erlangt werden, da Heilung auch in Verbindung mit Heiligung steht und somit wird früher oder später die Religion hinzukommen müssen, da es immer Aufgabe der Priesterschaft war, der Seele einen Heilsweg zu bereiten und für rituelle Rückbindung zu sorgen, welche jenseits der funktionalen Alltagsbewältigung liegt. Heil kann nur etwas sein, wenn das fehlende, das abgespaltene in die bewusste Wahrnehmung erhoben wird !
Wenn Sie mehr über diese Zusammenhänge erfahren möchten finden Sie weitere Informationen auf meiner Homepage
www.schattenintegration.de